· Die Canon EOS 50D

von Ralf Noehmer

Topics: Technik

Seit Februar 2009 besitze ich eine Canon EOS 50D. Einen kleinen Erfahrungsbericht über diese Kamera habe ich hier für euch verfasst.

Vorabinformation

Ich habe vor der EOS 50D mit diversen Digitalkameras gearbeitet. Da war zunächst die Canon/Kodak DCS 520 (die Canon-Bezeichnung war D2000), eine 2,1 Mio-Pixel-Kamera auf Basis der analogen Canon EOS 1n. Damaliger Kaufpreis: rd. 30.000 DM. Zum Glück hat mein damaliger Hauptauftraggeber mir diese Kamera zur Verfügung gestellt.

Es folgte eine EOS 300D, die ein lieber Kollege mir geliehen hat, als ich keine Kamera zur Verfügung hatte. Irgendwie habe ich die jetzt immer noch… Aber die Kamera kommt manchmal noch zum Einsatz, weil sie schön leise ist. Und dann zum Schluß die EOS 20D, die mich seit Anfang 2004 täglich begleitet hat. Da meine Bilder bisher zum größten Teil für Powerpoint- und Webpräsentationen benutzt werden, ist die Auflösung von 8 Mio Pixel dafür vollkommen ausreichend. Eine Minolta Dimage 7i und eine Kodak DC210 waren auch noch dabei, spielten aber eigentlich keine allzu große Rolle.
Nachdem ich 2008 begonnen habe, im Stockbereich meine Bilder anzubieten, wurde die Anschaffung einer etwas leistungsfähigeren Kamera quasi Pflicht. Natürlich hätte ich gerne eine Kamera vom Schlage EOS 1Ds, aber der Preis… da muss ich erst noch mehr Bilder verkaufen.


Die Auswahl des Modells

Die Canon EOS 5D ist eigentlich für jeden ernsthaften Stockfotografen die Kamera. (Zu dem Thema könnt ihr unter dem Titel “Weitwinkelproblem gelöst” inzwischen meine Geschichte mit der Canon EOS 5D lesen).  Die EOS 5D war auch bei mir mit in die engere Wahl gekommen, aber den Vorteil des Vollformats erkauft man sich mit einer deutlich langsamen Kamera. Und da ich auch Sportfotos mache, kam nur eine Kamera mit schneller Bildfolge in Frage. Letztendlich blieben nur die EOS 40D und die EOS 50D in der Auswahl. Der Unterschied zwischen den Kameras ist marginal, die EOS 40D um 0,2 Bilder/s schneller – aber wer merkt das schon? Ich entschied mich für die EOS 50D, auch wegen der aktuelleren Ausstattung mit DIGIT IV – Prozessor, der auch in der EOS 1Ds Mk III arbeitet.


Welche Features haben mich vor dem Kauf interessiert?

Elmshorn Fighting Pirates

Nun, da war zunächst einmal die hohe Bildfrequenz. Ein Quantensprung im Gegensatz zur EOS 20D. Bei den ersten Testaufnahmen passierte es mir immer wieder, dass ich mehrere Bilder auf einmal geschossen habe, weil die Kamera tatsächlich wesentlich schneller reagiert. Aber nach kurzer Zeit hatte ich mich daran gewöhnt.
Den ersten richtigen Einsatz hatte die Kamera bei einem Footballspiel der Elmshorn Fighting Pirates. Ein Touchdown-Lauf in die Endzone mit voller Bildfrequenz und am Ende 140 Aufnahmen – das hatte schon was. Und der Ausschuss auf Grund unscharfer Bilder, weil der Autofokus nicht folgen konnte, lag bei ca. 5%. Wobei man sagen muss, dass das wohl auch mit am verwendeten Objektiv, dem Canon EF 4/300 L USM IS, lag.


Live View

Weiter war ich auf den Live-View gespannt. Aber der hat mich mehr enttäuscht, als erfreut. Für Bilder mit hoch gehaltener Kamera wollte ich das eigentlich einsetzen, habe aber schnell gemerkt, dass man das Bild kaum bis gar nicht erkennen kann. Ebenso ging es mir bei Aufnahmen im Makrobereich. Wenn man schon ein Livebild bietet, dann muss man auch einen schwenkbaren Monitor installieren.

Sehr hilfreich ist die Live-View-Funktion aber bei der Studioarbeit. Man kann sich das Bild groß auf dem Kamera- oder auch Computermonitor ansehen und das Bild begutachten. Allerdings soll der Sensor sich bei längerer Nutzung dabei auch recht ordentlich aufheizen und dann verursacht das mehr Bildrauschen. Ich selbst konnte letzteres zwar noch nicht beobachten, aber das Aufheizen spürt man doch schon sehr deutlich.

Einige schlaue Füchse haben sich irgendwann mal mit der Frage beschäftigt, ob man nicht auch das Livebild der EOS 50D abgreifen kann, um es als Video aufzuzeichnen. Und tatsächlich, es geht. Man muss zwar eine Verbindung zum Rechner via USB haben, aber die Qualität kann sich sehen lassen. Die Software ist natürlich nicht offiziell von Canon, aber wer es ausprobieren möchte, kann sich hier die Software runter laden. Nachteil ist, dass die Kamera ständig über USB-Kabel mit dem Rechner verbunden sein muss. Aber auch hier gibt es bereits eine Lösung in Form des Hama Wireless USB-Starter-Set . Das Teil habe ich mir zugelegt und werde dann demnächst mal darüber berichten.

.
Einstellung über Joystick

Was mich auch positiv überrascht hat, war der kleine Joystick an der Kamera. Bei der EOS 20D sieht das Teil noch aus, wie neu, weil das Ding fast nie benutzt wurde. Bei der EOS 50D kann man damit die kompletten Einstellungen, die man sonst über die kleinen, oft auch doppelt belegten, Knöpfchen machen muss, übersichtlich auf dem Monitor ansehen und einstellen. Das geht weitaus schneller, als erst die Kamera abzunehmen, oben drauf schauen und hoffen, dass man die richtige Knopf-Einstellrad-Kombination gewählt hat.

Ebenso nutze ich oft die Möglichkeit, zwei Kameraeinstellungen auf die Customstasten `C1`und `C2` zu legen. Insbesondere, wenn man zum Beispiel bei Sportaufnahmen eine Einstellung ständig nutzt und so “seine” Einstellungen immer wieder herstellen kann.


Weitere Features

LR BP511 (640 x 480)Stromversorgung
Zunächst einmal habe ich mich gefreut, dass Canon nicht schon wieder einen neuen Akkutyp eingeführt hat. So war die Nutzung der bereits vorhandenen Akkus aus der 300D und 20D kein Problem. Ebenso kann man den Akkugriff der 20D (BG-E2) verwenden, da der zur 50D erhältliche. ausser einigen besseren Dichtungen, offensichtlich keine weiteren Verbesserungen im Gegensatz zum Vorgänger bietet. Zudem ist der BG-E2 auf dem Gebrauchtmarkt sehr günstig zu bekommen. Ich habe für meinen ca. 70,- € bezahlt. Allerdings habe ich Probleme mit den Ladegeräten und mir inzwischen ein Hähnel Twin V Pro zugelegt. Einen Bericht findet ihr hier im Blog.

LR CFlash (640 x 480)

Speichermedien
Auch die Nutzung der vorhandenen Compact-Flash-Karten ist kein Problem. Allerdings haben die 1-GB-Karten inzwischen dann doch für die 50D ausgedient. Auf einer 4-GB-Karte bekommt man im RAW-Format ca. 150 Bilder unter. Das sind zwar umgerechnet ca. vier Kleinbildfilme, aber man macht ja doch immer mehr Aufnahmen. Inzwischen habe ich auch auf 8GB-Karten aufgerüstet. Da habe ich dann doch etwas mehr Platz für Bilder auf der Kamera.
Man muss allerdings dabei auch bedenken, dass kleinere Karten auch die Gefahr des Datenverlust schmälern. Wenn eine volle 16-GB-Karte mit rund 600 Bildern den Geist aufgibt, ist das weitaus schlimmer, als wenn das mit der 4-GB-Karte passiert. Da sind dann nur ca. 150 Bilder verloren. Da muss man eben abwägen, was man möchte. Schön hätte ich es gefunden, wenn man der 50D einen Extraslot für zusätzliche SD-Karten spendiert hätte.
Zur extra Datensicherung habe ich mir dann noch einen Imagetank zugelegt, so bin ich dann schon mal auf der etwas sicheren Seite. Zumindest beruhigt es einen doch etwas.

Hard- und Softwareanforderungen
Meinen Computer hatte ich bereits vor dem Kauf der 50D aufgerüstet und das macht sich jetzt bezahlt. Der Unterschied zu meinem etwas älteren Notebook ist spürbar. Das sollte man auf alle Fälle bei einem Kauf einer Kamera mit hoher Auflösung berücksichtigen.
Auch die Software bietet einige Hindernisse. Die RAW-Files der 50D (und auch die der 5D Mk II) arbeiten nicht mehr mit Photoshop oder Bridge CS2 zusammen. Da bleibt einem nur der Weg, auf CS3 oder CS4 zu updaten, oder aber man nimmt gleich Adobe Photoshop Lightroom. Das kann ich jedem professionell arbeitenden Kollegen nur empfehlen – sofern man mit einem Windows-Rechner unterwegs ist. Wie groß der Unterschied zwischen Lightroom und dem nur für Mac OS erhältlichen Aperture ist, kann ich leider nicht beurteilen. Letztendlich ist es auch eine Entscheidung des eigenen Geschmacks.


Kameradefekt

Die Möglichkeit, seine eigenen Einstellungen auf eine der beiden Customs-Tasten zu legen, hat mir auch jetzt geholfen, bevor die EOS 50D in die Reparatur ging. Das Problem, das ich hatte, war nicht direkt die 50D, sondern das EF 4/300. Dieses Objektiv hatte eine vermutlich verharzte Blende, so dass man die Linse nicht mehr abblenden konnte. Es war nur noch ein Arbeiten mit Offenblende möglich, was im Prinzip nicht weiter tragisch ist, lässt man die Kamera nicht die Belichungseinstellungen bei zu viel / wenig Licht automatisch korrigieren. (Customs-Funktion Nr. I-6, ‘Safety-Shift’). Dann passiert es, dass die EOS 50D kurz auf ‘ERR’ umschaltet und man die Kamera aus- und einschalten muss.

Aber eben dieser Fehler hat dafür gesorgt, dass die interne Software wohl durcheinander geraten ist. Das äusserte sich dadurch, dass die Einstellungen der Kamera automatisch auf irgendwelche Werte zurück gestellt wurden. Hatte man z.B. das RAW-Format (was ich eigentlich immer mache) und z.B. 800 ASA ausgewählt, dann stellte sich die Kamera irgendwann auf JGEG und 200 ASA zurück. Auch die Einstellung auf Manuell (“M”) funktionierte nicht mehr, dort wurden dann auf dem Display die Einstellungen für das Portraitprogramm angezeigt.

Diverse Versuche, die Kamera wieder zur Arbeit zu bewegen, scheiterten. Firmware erneut aufspielen oder sämtliche Akkus raus nehmen. Sind die Akkus einige Zeit entfernt oder liegt die Kamera ein paar Tage ungenutzt herum, dann regelt sich die Einstellung wieder zurück. Aber nach kurzer Zeit fängt die Kamera dann doch wieder an zu spinnen.

Ein Arbeiten war nur möglich, wenn man die Einstellungen auf die bereits erwähnten Customs-Funktion legte. Jetzt im Moment befindet sich die Kamera in der Werkstatt und ich bin gespannt, wie lange die Reparatur dauert. Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um eine Garantiereparatur handelt. – Inzwischen ist die Kamera wieder zurück und funktioniert wieder. Es wurde eine Platine ausgetauscht und alles ging über Garantie.

Übrigens: bei der 20D und 300D haben die Kameras die Arbeit mit dem Objektiv komplett verweigert. Die Kameras haben auch dadurch keinen Schaden genommen.


Fazit

Der Kauf der EOS 50D war eine gute Entscheidung für mich. Die Kamera bietet – bis auf das Vollformat – alles, was ich brauche. Ich habe jetzt eine Kamera, die mit ihren 15 Mio Pixel auch für die nähere Zukunft noch aktuell ist, denn ich glaube nicht, dass Canon das Wettrüsten noch weiter vorantreibt. Die nächsten Kameramodelle werden eher mehr Features anbieten. Denkbar wäre vielleicht eine spezielle HDR-Einstellung. Technisch dürfte das kein Problem sein, lediglich ein Stativ wäre die einzige Vorgabe.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich nie brauche. So frage ich mich immer wieder, warum eine semiprofessionelle Kamera unbedingt einen eingebauten Funzelblitz benötigt. Auch die diversen Motivprogramme braucht ein Fotograf an einer solchen Kamera nicht, denn der kennt sein Arbeitsgerät und weiss selbst, wie man es bedient.

Aber das soll wahrscheinlich auch die Amateure zum Kauf animieren, die die Kamera nur erwerben, um zu zeigen, dass sie sie haben. Und die benutzen dann auch die Motivprogramme und den Funzelblitz. Bei letzterem wundern sie sich dann, warum die Kirche denn nicht komplett ausgeleuchtet ist – “der Blitz hat doch geblitzt!”


Affiliate-Links

Canon EOS 50D Gehäuse
Canon Akku BP 511A
SanDisk CF Extreme III 8GB
SanDisk CF Extreme III Speicherkarte 16GB
SanDisk CF Extreme IV Speicherkarte 16GB
Meine Empfehlung: Hähnel Twin V Pro Doppelladegerät für Canon SLR-Akkus (BP-511, NB-2LH)

2 Comments For This Post I'd Love to Hear Yours!

  1. Simon Says:

    ein sehr schöner beitrag

  2. admin Says:

    Danke. Ich werde wohl noch das eine oder andere Foto zur Auflockerung reinstellen. ;-)

1 Trackbacks For This Post

  1. Canon EOS 50D Body 15.1 Megapixel schwarz - Canon - Gimahhot Says:

    [...] der aktuelleren Ausstattung mit DIGIT IV Prozessor der auch in der EOS 1Ds Mk III arbeitet. .. http://www.amuthon.de Spitzentechnologie für Leistung und Tempo: Die EOS 50D mit 15,1 Megapixel Canon CMOS-Sensor, [...]